WhatsApp

Die Übernahme von WhatsApp durch Facebook ist im Nachhinein gesehen nicht ganz überraschend gekommen, da sich, wie wir jetzt wissen, auch Google schon einige Zeit um den Messenger-Dienst bemüht hat. Ziemlich überraschend hingegen war die enorme Summe von umgerechnet 14 Mrd. Euro, die Facebook dafür auf den Tisch gelegt hat. Dieses Geld muss Facebook aber auch wieder irgendwie verdienen, was die ersten Skeptiker bezüglich des Datenschutzes auf den Plan ruft. Der deutsche Datenschützer Johannes Casper sieht nämlich auf die Nutzer neue Risiken zukommen. Auf Grund des immens hohen Preises meint er:

Man kann davon ausgehen kann, dass eine Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgen muss.

Dies bedeutet, dass Facebook die Daten von WhatsApp – wenn möglich – mit den eigenen verknüpfen, diese für eigene Zwecke nutzen und eventuell auch an Dritte weiterverkaufen wird. Doch kann er dem Deal auch durchaus etwas Positives abgewinnen, da sich seiner Ansicht nach Facebook den Anforderungen des Datenschutzes öffnen werden müsse. Damit würde auch WhatsApp transparenter werden. Als Beispiel führt er Datenschutzbestimmungen in deutscher Sprache, oder eine transparente Information über die Altersbeschränkung an:

WhatsApp ist ab 16. Das wissen wahrscheinlich die Wenigsten.

Das größte Problem ist laut Casper, dass WhatsApp die Adressbücher der Smartphones ausliest. Bei Facebook habe es eine ähnliche Debatte gegeben, wo aber eine Lösung gefunden wurde. In dieser Hinsicht zeigt sich der beim Hamburger Datenschützer für Telemedien zuständige Referatsleiter Ulrich Kühn aber skeptisch:

Ich finde es schon bemerkenswert, dass der datenschutzrechtlich Einäugige den datenschutzrechtlich Blinden über die Straße ziehen soll. (…) Ob sich das so einlösen wird, werden wir sehen.

Seiner Ansicht nach ist WhatsApp im Datenschutz und in der Informationspolitik ein „völlig schwarzer Kasten“. Man wisse eigentlich nicht, wer dahintersteckt, wo die sitzen oder wie man sie erreichen könne. Bestenfalls lasse sich eine E-Mail schreiben, aber ob eine Antwort komme oder nicht, liege im Bereich von WhatsApp und es gäbe auch keine Sanktionsmöglichkeiten. Die Erreichbarkeit werde sich mit der Übernahme sicherlich verbessern, aber inhaltlich sei man dann noch nicht weiter, denn die amerikanischen Firmen seien „Meister im Hinauszögern und Wegverhandeln von Bedingungen“, so Kühn.

Manchem von uns stellt sich aber nun die Frage, warum Datenschützer und User erst jetzt auf diese Situation aufmerksam werden und ziemlich besorgt sind? Denn schon vor zwei Jahren wurde Whatsapp gemeinsam mit Facebook von der Stiftung Warentest in die Kategorie „sehr kritische Apps“ eingestuft. Laut vielen Datenschützern und auch Nutzern ist es die Kombination von Facebook und WhatsApp, die bei vielen die Alarmglocken schrillen lässt, da man von Facebook aus der Vergangenheit weiß, wie das Unternehmen zum Datenschutz steht. In den letzten Tagen erfreuen sich deshalb andere Messenger-Dienste großer Beliebtheit, da eine nicht zu kleine Anzahl von Usern WhatsApp den Rücken kehrt. Hier ist vor allem die App „Threema“ hervorzuheben, die seit Tagen die App-Charts anführt: Bei dieser Messenger-App verläuft die Kommunikation verschlüsselt, zudem stehen die Server in der Schweiz. Laut Threema-Mitgründer Martin Blatter konnte die User-Zahl in den letzten Tagen von 200.000 auf 600.000 verdreifacht werden. Vielen ist also der Datenschutz 1,79 € (App Store) bzw. 1,60 € (Google Play Store) wert.

Wer von euch ist schon umgestiegen?

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